Sind wir stark genug oder zerbricht die Familie daran?
Wie schafften es mein Mann und meine Tochter?
Jeder Vater wünscht sich ja einen „richtigen“ Jungen, der Fußball spielt und manchmal wild ist, sich auch mal mit anderen Buben draußen rauft… Unser Sohn mochte dies jedoch nicht. Er hatte immer schon lieber mit Puppen gespielt, liebte schöne Kleider, er war eben anders als man sich einen Buben vorstellt. Von daher waren mein Mann und ich ja schon einiges gewohnt.

Obwohl wir es ja schon längst geahnt hatten, war es dann trotzdem ein Schock für uns, als wir erfuhren dass unser Sohn im falschen Körper lebt, also ein Transgenderkind ist. Als ich meinen Mann neulich danach fragte, ob er sich noch daran erinnern kann, wie es ihm damals ging, meinte er: „Ich habe das alles vergessen, ich sehe wie es unserer Tochter jetzt geht, wie glücklich sie ist und nur das zählt! Es war das einzig Richtige!“ Ich erinnere mich noch daran dass mein Mann es sehr schnell schaffte unsere „neue“ Tochter bei ihrem neuen Namen zu nennen. Ich hingegen erwähnte noch viel öfter den „alten“ Namen und kränkte sie damit natürlich sehr. Es war ein Prozess für uns alle. Ich erinnere mich daran, dass wir oft zusammen geweint haben weil wir ja nicht wussten wie es weitergeht und was auf uns zu kommt.
Auch für unsere zweite Tochter war es ein Schock. Sie hatte nicht damit gerechnet, nie daran gedacht und ihr war es nie bewusst aufgefallen, dass ihr Bruder im falschen Körper lebte. Meine beiden Kinder haben sich immer sehr gut verstanden. Als ich meine Tochter jetzt danach fragte, meinte sie: „Wir sind so behütet aufgewachsen und auf einmal war alles anders. Es war ein Wochenende als ich es erfuhr. Ich ging damals auswärts zur Schule und wohnte von Montag bis Freitag im Internat. Ich war sehr froh, dass ich zur Schule fahren konnte, ich brauchte den Abstand. Es war damals ja alles neu. Heute liest und hört man darüber ja viel mehr. Woran ich mich noch gut erinnern kann, ist als meine Schwester zum ersten Bewerbungsgespräch als Frau ging, war sie so schön geschminkt und sah einfach wunderschön aus! Da habe ich mich riesig für sie gefreut! Und jetzt weiß ich, sie ist von ganzem Herzen eine Frau!“
Mein Fazit:
Ja, ihr schafft es! Ihr könnt es durchhalten! Weil ihr es wollt für euer Kind! Weil ihr euer Kind von Herzen liebt! Es ist eine große Chance, stärker zusammen zu wachsen und gestärkt, glücklich und selbstbewusster aus diesem Prozess hervor zu gehen!